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Was mir mein Hund über Menschen beigebracht hat

Was mir mein Hund über Menschen beigebracht hat

Mittwoch, Mai 6, 2026

Als ich meinen Hund zum ersten Mal gesehen habe war er ein süßer kleiner Welpe, mit riesigen Pfoten und er ist auf meinem Schoß eingeschlafen. Ich war schockverliebt. Wenige Wochen später zog er bei mir ein.

Und der kleine Balu, benannt nach dem gemütlichen Bären aus dem Dschungelbuch, brachte mich an den Rand der Verzweiflung. Wild, aktiv, stur, schwer zu bändigen und er jagte alles, was nicht bei Drei auf dem Baum war. Die ersten gemeinsamen Jahre waren ungelogen teilweise Horror. Er war so gar nicht das, was ich mir vorgestellt hatte.

Mittlerweile ist er zwölf und viel ruhiger, aber aus Jux und Tollerei haben wir vor kurzem über einen DNA-Test seine Rasse bestimmen lassen. Ich wusste natürlich, dass er ein Mischling ist, ein sogenanntes „Kind der Liebe“, ein Unfall halt. Aber was da so alles in seiner Ahnenreihe drinsteckt, war doch überraschend:

Viele, viele Jagdhundanteile, Schäferhund und Rottweiler. Eine wilde Mischung. In seiner DNA sind Generationen von Jägern abgespeichert, dafür gezüchtet, um zu jagen, selbstständig Entscheidungen zu treffen und ihren Willen durchzusetzen.

Und ich wollte ihn dazu erziehen, im Kaffeehaus gemütlich unter dem Tisch zu liegen. Haha.

Warum erzähle ich das? Weil ich genau aus dieser Geschichte wieder eine Menge über das Zusammenleben mit andern gelernt habe, nämlich folgende drei Dinge:

Erwartungen
Meine Erwartung war, einen gesellschaftstauglichen Begleiter zu bekommen, süß, anschmiegsam, angepasst an das Leben in einer Wohnung mit ein paar Spaziergängen. Schon der für ihn ausgewählte Name macht das deutlich.

Dafür ist Balu aber nicht gemacht. Er hat seinen eigenen Kopf, seinen Charakter, seine Prägungen.

Kann er also etwas dafür, dass er meine Erwartungen nicht erfüllt hat? Nein. Ist es überhaupt seine Aufgabe, sich in meine Vorstellungen pressen zu lassen? Auch nein.

Selbstzweifel
Es gab so viele Momente, in denen ich mich fragte, warum ich es nicht geschafft habe, Balu besser zu erziehen. Warum wir so oft aneinandergerieten, warum es mir nicht gelang, einen unauffälligen, braven Hund aus ihm zu machen.

Heute weiß ich, da war ich bei dieser Genetik so gut wie chancenlos. Aber ich habe mein Bestes gegeben. Ich habe ihn begleitet und nicht mit harter Hand komplett gegen seine Natur verändert. Ich habe gehadert, ja, aber wir sind zu einem Team zusammengewachsen. Und das ist so viel wertvoller.

Ich bin okay. Du bist okay
Erst als ich losgelassen und akzeptiert habe, dass er ist, wie er ist, ist die Entspannung in unser Leben eingezogen. Ich habe aufgehört, ihn verändern zu wollen oder zu verurteilen für die Eigenschaften, mit denen er nun mal geboren ist. In Widerstand zu gehen gegen seinen Charakter.

Und damit ist dann auch wirkliche Nähe entstanden, gegenseitiges Vertrauen und ein Team, das gemeinsam durch dick und dünn geht.

Das, was für meinen Balu gilt, gilt für auch für alle Menschen um dich herum. Sie sind nicht dazu da, deine Erwartungen zu erfüllen, sondern es geht darum, unterschiedliche Charaktere, Neigungen und Prägungen unter einen Hut zu bekommen. Zu akzeptieren, dass der andere anders, aber trotzdem in Ordnung ist.

Und manchmal darf man auch feststellen, dass wir vielleicht einfach am falschen Platz sind, nicht in unser Umfeld passen. Dass der Jäger nämlich in den Wald gehört und nicht auf die Couch.

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