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Artgerechte Haltung

Artgerechte Haltung

Sonntag, Juni 21, 2026

„Zoochosen“ werden Verhaltensstörungen bei Tieren genannt, die nicht ihrer Natur entsprechend in der freien Wildbahn, sondern in von Menschen geschaffenem Umfeld leben wie Zoos, Aquarien, Vergnügungsparks, Streichelzoos, etc.

Jeder von uns hat schon Bilder oder Videos von Tieren gesehen, die scheinbar wie in Trance Runden gehen oder schwimmen, sich Federn oder Fell ausreißen, Wände ablecken oder monoton den Kopf hin und her wiegen in stummer Verzweiflung, weil sie ein Leben leben (müssen), das nicht ihrer Bestimmung entspricht.

Innenräume statt freier Natur, eingeschränkter Bewegungsraum, enger Kontakt mit Menschen und anderen Tieren statt Rückzug, abgeschnitten von ihren eigenen Instinkten und Rhythmen. Das, was aus Menschensicht den Tieren helfen soll, nämlich eine sichere Nahrungsquelle, ein Dach über dem Kopf als Schutz vor Naturgewalten oder Fressfeinden, kann schwere Verhaltensstörungen bei den Tieren auslösen.

Schon im Jahr 2012 hat der Evolutionsforscher Prof. Dr. Franz M. Wuketits in seinem Buch „Zivilisation in der Sackgasse“ Vergleiche der Zoochose zu uns Menschen angestellt und das, was im ersten Moment abenteuerlich anmutet, zeigt bei näherer Betrachtung durchaus Ähnlichkeiten.

Überforderung durch Medien, Tempodruck, extrem schnelle Veränderungen und gefühlte Sinnlosigkeit, das Gefangensein im Hamsterrad entladen sich je nach Persönlichkeit in wachsenden Aggressionen oder Apathie.

Zunehmend auch in der verzweifelten Suche nach Ablenkung und Abkühlung des überreizten Nervensystems durch Süchte wie exzessives Handyscrollen, Fernsehen, Essen, Pornografie oder durch oberflächliche Beziehungen, Extremsport, etc.

Nicht umsonst leidet in der westlichen Welt mittlerweile jeder Vierte an psychischen Problemen wie Depression und Burnout, aber auch unter Schlaflosigkeit, einer wachsenden gefühlten Sinnlosigkeit und Bedeutungslosigkeit.

Die Arbeiten, denen wir nachgehen, verlangen ein immer höheres Tempo und mehr Leistung, verbunden mit meist nicht direktem Erfolgserleben und wenig persönlichem Einfluss auf das Gelingen. Das steigert die Unzufriedenheit und das Gefühl, wertvolle Lebenszeit zu ver(sch)wenden für Tätigkeiten, deren Nutzen man nicht erkennt, außer der Gehaltsüberweisung am Ende des Monats.

Viele weitere Thematiken unterstützen die Überforderung des Gehirns: viele Menschen auf engem Raum, das vorwiegende Leben in Innenräumen, das Starren auf Bildschirme, der Medienkonsum, fehlende Ruhepausen, das Abgeschnittensein von sozialen Verbänden.

All das geht an der Natur des Menschen vorbei und ist alles andere als artgerechte Haltung.

Die Menschheitsgeschichte ist über einige Millionen Jahre sehr gleichförmig verlaufen. Als Jäger und Sammler lebte der Mensch in Gruppen, im Einklang mit den Gegebenheiten der Natur und trug die volle Verantwortung für sein eigenes Überleben.

Die Zivilisation wie wir sie heute kennen entstand in vergleichsweise kurzer Zeit und - wie Wuketits aus Studien zitiert – dadurch hatte das menschliche Gehirn nicht die Zeit, sich an die heutigen Gegebenheiten anzupassen. „Das Gehirn hat sich seit 30.000 Jahren kaum verändert und ist mit dem steigenden Tempo der Gesellschaft überfordert.“

Was aber ist die Lösung? Zurück in die Steinzeit? Wohl kaum. Aber ein erster wichtiger Schritt kann es sein, sich selbst wieder besser wahrzunehmen: Was genau stresst mich? Wo fühle ich mich überfordert? Was hilft mir, mein Nervensystem zu beruhigen? Was brauche ich, um in dieser sich immer schneller drehenden Welt beständig zu bleiben?

Diese Fragen zu beantworten, die Bedürfnisse des Steinzeitmenschen in uns zu erkennen, selbst Verantwortung für dein Wohlbefinden zu übernehmen – all das kann helfen, sich selbst wieder artgerecht zu behandeln.

Workshop-Hinweis: Wenn du dich mit diesen Fragen nicht nur gedanklich beschäftigen, sondern konkrete Wege für deinen Alltag entwickeln möchtest, ich biete im Herbst genau zu diesem Thema einen Workshop an:

Einen Tagesworkshop für Menschen, die sich nach mehr Ruhe, innerer Klarheit und einem Leben sehnen, das wieder stärker den eigenen Werten und der menschlichen Natur entspricht. Im Mittelpunkt stehen Entschleunigung, sinnhaftes Tun, Naturverbundenheit und die Frage, was uns wirklich stärkt – jenseits von Dauerreizen, Tempo und Optimierungsdruck.

Gerne kann der Workshop auch auf eine bestimmte Zielgruppe oder einen besonderen Schwerpunkt zugeschnitten und bestehenden Personenkreis gebucht werden.

Wenn du dabei sein möchtest oder nähere Informationen wünschst – oder du gerne im Einzelsetting mit mir arbeiten möchtest- freue ich mich über deine Kontaktaufnahme!

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