Blog
Keinen Artikel mehr verpassen!
Als ich vor fast 12 Jahren beschloss, ein Hund sollte in mein Leben einziehen, war ich – gelinde gesagt – etwas blauäugig unterwegs. Ich hatte ein Bild vor mir von einem harmonischen Zusammensein mit einem natürlich wohlerzogenen, angenehmen Begleiter und entspannten Spaziergängen.
Und dann kam Balu.
Vom ersten Moment an war so gut wie gar nichts so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Er tobte, zerrte, bellte, rebellierte und kostete mich viele, viele Nerven. Er kam nicht zur Ruhe, schien nie das zu tun, was ich von ihm wollte und ich war echt am Verzweifeln. Was war nur falsch mit diesem Hund?
Die Jahre vergingen, langsam kehrte mehr Ruhe ein in unser gemeinsames Leben und damit sehr viel mehr Verständnis für dieses Lebewesen, das sich meinen Wünschen nicht einfach unterordnete. Mittlerweile ein grauer Opi geworden wurde mir nach und nach bewusst, was er mir beigebracht hat:
„Das Außen ist dein Spiegel“: Sein erstes Lebensjahr muss für ihn die Hölle gewesen sein. Ich war schon vor seinem Einzug an einem seelischen Tiefpunkt angekommen… unzufrieden, unausgeglichen, unruhig. Und erwartete von diesem frisch auf die Welt gekommenen Wesen, das zu kompensieren. Dabei reagierte er lediglich auf mich und meine Launen, war verunsichert und wurde dafür auch noch bestraft und bewertet.
„Was wohl die Nachbarn denken“: ich habe mir so viele Gedanken darüber gemacht, was andere wohl darüber denken, wenn er an der Leine eskalierte, Katzen und anderen Hunden an den Kragen wollte, dass wenig Platz blieb, um herauszufinden, warum er eigentlich so reagierte und was er in diesen Momenten von mir gebraucht hätte. Viel wertvolle Zeit und eigentlich schöne Spaziergänge habe ich mir damit wirklich versaut.
„Wir sehen von außen nur einen Bruchteil“: in meinen ehrlichen Augenblicken wusste ich, wir leben eigentlich sehr gut miteinander. Wir können ganze Tage in lustiger, einträchtiger und glücklicher Zweisamkeit verbringen, womöglich hat er aber auf einem Spaziergang seltsame fünf Minuten und jemand sieht das. Wie wird wohl das Urteil von außen aussehen?
„Annehmen, wie es ist“: erst als ich begonnen habe, Balu als den Charakter zu sehen, der er ist, ist unser Zusammenleben entspannt geworden. Er fühlt sich in Cafés, Restaurants oder Shoppingtempeln nicht wohl. Warum muss ich ihn dorthin mitnehmen? Warum muss ich ihm beibringen, sich dort zu benehmen? Anstatt einfach zu akzeptieren, dass er sich im Wald, im Garten, in einem Bach tausendmal wohler fühlt?
„Es zählt der Moment“: Wenn er an einem Grashalm schnuppert, den Vögeln im Garten zusieht, verschwendet er keinen Gedanken an die nächste halbe Stunde, an morgen, an sonst etwas. Er ist da und genießt voll und ganz.
„Es zählt das Gefühl“: Balu weiß von keinem Menschen in unserem Umfeld, was er arbeitet, welchen Besitz er hat, oder welche Leistung er erbringt. Ob er schön, klein, groß oder dick ist. Er weiß aber genau, wer mit ihm Späße macht, die gute Stelle hinterm Ohr krault und wer ihm einfach ein gutes Gefühl gibt. Das ist es, was für ihn zählt.
Ich hoffe auf noch viele gute gemeinsame Jahre und weiß schon jetzt, dass ich ihm sehr dankbar bin. Für alles, was ich lernen durfte, vor allem über mich. Dafür, dass er sich eben nicht verändern hat lassen. Dass er nach wie vor ein stures, charaktervolles Lebewesen mit Ecken und Kanten ist, das mich jeden Tag bereichert und mir weiterhin so wertvolle Lektionen über das Leben lehrt.